Wort zum Sonntag (5. März 2022)
05.03.2022
Ob Sie es hören wollen oder nicht: begegnen Sie mir an einem 24. erinnere ich Sie unweigerlich daran, in wieviel Monaten Heiligabend sein wird. Am 24. Februar habe ich niemanden erinnert, weil seitdem in Europa Krieg herrscht…
Hier anschauen …ggggg
Willkommen in der Wirklichkeit
von Pfr. Uwe Brühl (erschienen am 5. März 2022 im Süderländer Tageblatt)
Ob Sie es hören wollen oder nicht: begegnen Sie mir an einem 24. erinnere ich Sie unweigerlich daran, in wieviel Monaten Heiligabend sein wird. Am 24. Februar habe ich niemanden erinnert, weil seitdem in Europa Krieg herrscht. Am 22. Juni 1941begann der Angriffskrieg der Nazi-Wehrmacht auf die Sowjetunion. Jetzt führt Russland einen Krieg gegen die Ukraine, der so nicht heißen darf. Der Angriff richtet sich u.a. ausdrücklich gegen Nazis. Unverschämter lässt sich ein nüchtern kalkulierter Eroberungsfeldzug nicht begründen. Nahe Kiew liegt die Schlucht von Babyn Jar. Dort ermordeten die Nazis Ende September 1941 innerhalb von 48 Stunden mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Der jetzige Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, ist Jude.
Seit Kriegsbeginn vergangene Woche verändert sich die Welt. In Deutschland sind wir brutal in der Wirklichkeit angekommen. Wir begreifen, dass wir der Weltpolitik nicht länger nur mitreden können und dabei noch gut verdienen. In der historischen Bundestagssitzung am letzten Sonntag zeigte sich dies an klaren Beschlüssen, die Konsequenzen haben werden, auch für uns.
Ganz persönlich erlebt Petrus Ähnliches. Gerade skizzierte Jesus seinen Jüngern den Weg, der vor ihm liegt. Er würde getötet werden. Vehement versucht er, Jesus diese Gedanken auszureden (Markus 8, 32). Mit drastischen Worten rüttelt Jesus ihn wach: Petrus, komm in der Wirklichkeit an! Dir gefällt dein bisheriges Leben, auch weil wir zusammen auf einer spannenden Entdeckungsreise unterwegs sind. Aber wir leben in der Wirklichkeit! Für Jesus bringt sie den Tod durch die Hinrichtung am Kreuz. Das ist seine Passion: Leiden für Leidenschaft.
Jesu Leiden hat mit seiner Leidenschaft für uns zu tun. Wie er lebt, wie er uns den Glauben an Gott nahebringt, durchbricht er – immer noch – alle bekannten Formen von Leben und Glauben. Seine Liebe zu uns ist seine Leidenschaft und zugleich ein Vorbild für uns. Wenn wir diesem Vorbild folgen, kann uns kein Mensch egal sein, in der Ukraine nicht, hier nicht, nirgendwo.