100 Jahre Johannis-Kirche

18.01.1914 – 18.01.2014
Am 18. Januar 2014, einem Samstag, feiert die Johannis-Kirche ihren 100. Geburtstag. Bis heute ist sie, was die Zahl der Sitzplätze betrifft, die größte Kirche Plettenbergs und trotzdem Kirche „im Dorf“. … ggggg

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18. Januar 1914 – 18. Januar 2014

Am 18. Januar 2014, einem Samstag, feiert die Johannis-Kirche ihren 100. Geburtstag. Bis heute ist sie, was die Zahl der Sitzplätze betrifft, die größte Kirche Plettenbergs und trotzdem Kirche „im Dorf“. Dabei war sie selbst in Eiringhausen nicht das älteste Kirchengebäude. Schon 1908 weihte die katholische Gemeinde an der weiteren Reichsstraße die erste Kirche St. Johann Baptist.

Die Johannis-Kirche zeigt sich als Kind ihrer Zeit. So bot sie anfangs nicht nur 850 Sitzplätze. Ihre Architektur zelebrierte geradezu die geheimnisvolle und selbstbewusste Seite des Glaubens. Architekt Gustav Mucke bot mit seinem Entwurf jedem Geistlichen die Möglichkeit, Gottesdienste zu leiten, ohne einem einzigen Gottesdienstbesuchenden nahe kommen zu müssen.

Eine versteckte Außentreppe zur Sakristei, der Zugang zur Kanzel durch eine geschickt kaschierte Treppe in der Sakristei, der – ausleuchtungs– und ausmalungsbedingt – dunkle Kirchraum weckten eine gewisse Ehrfurcht, die noch Jahrzehnte später spürbar war.

Was ist geblieben?
100 Jahre später bleibt zunächst die Erkenntnis, dass die Eiringhauser damals ein mächtiges Werk stemmten. Über zehn Jahre kämpften sie zuvor für die Selbstständigkeit ihrer Gemeinde. Dass die schließlich 1909 gegründete Gemeinde eine eigene Kirche haben sollte, war weniger konsequente Folge als vielmehr Erfüllung des ersten Wunsches. Denn von Anfang an wollten die evangelischen Christen im Lennetal nämlich vor allem einen eigenen Gottesdienstort.

Bau und Fertigstellung der Johannis-Kirche trugen das Ihre dazu bei, dass das Selbstbewusstsein der Einwohner in der aufstrebenden Industriesiedlung rund um den Bahnhof der Ruhr-Sieg-Strecke wuchs.
Die evangelische Dorfkirche komplettierte schließlich was noch gefehlt hatte. Schützen– und Sportverein gab es längst, die hiesige Feuerwehr musste ihren Steigerturm auf dem Johannifestplatz sogar für die Kirche aufgeben. Bahnhof und Post lagen in der Nähe wie die Arbeitsplätze. Und natürlich muss auch hier der Aufbau des Wassernetzes erwähnt werden.

Die Johannis-Kirche gehört zum Dorf. Wichtiger noch: nicht nur als Gebäude hat sie Spuren hinterlassen. Seit 100 Jahren interessieren sich Kirchennahe wie Kirchenferne für das Gebäude. Seit 50 Jahren bleiben nicht nur die Augen predigtmüder Konfirmanden an den Worten aus Johannes 11 an der Altarwand hängen: Ich bin die Auferstehung und das Leben… Es sind diese Worte, die daran erinnern wofür auch diese Kirche steht: für Gottes liebevolle Zuwendung in Jesus Christus, für sein Dabeisein mitten im Dorf, mitten im (manchmal lauten) Leben.

Geburtstag feiern wir erst später, am 27./28. September 2014, dem Erntedankfest. Und wir feiern gleich vierfach: Erntedank, 100 Jahre Johannis-Kirche, 60 Jahre CVJM Eiringhausen und Gemeindefest!

 


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Am 18. Januar 2014 jährt sich der Einweihungstag unserer Johannis-Kirche zum 100. Mal. Nach mehr zweijähriger Bauzeit wurde die Kirche in einem Festgottesdienst von der Gemeinde in Besitz genommen.
So hell wie auf diesem Bild war die „alte Kirche“ nicht. Gemeindeglieder beschreiben den Innenraum als eher düster. Von 1914 bis 1964 präsentierte sich die Kirche im Ursprungszustand. Lediglich der Schalldeckel über der Kanzel verschwand sehr früh.
Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Namen der im Krieg gestorbenen Gemeindemitglieder in zwei bildlichen Darstellungen links und rechts unter den Emporen festgehalten. Vor allem die Darstellung rechts der Kanzel war durchaus umstritten. Sie zeigt einen wenig heldenhaften Soldaten voller Traurigkeit. Gut erkennbare Reste dieser Bilder in Grafito-Technik werden unter dem aktuellen Anstrich bewahrt.


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Diese Aufnahme aus den ersten Jahren der Johannis-Kirche zeigt den Schalldeckel über der Kanzel. Er diente der Verbesserung der Sprechakustik.


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Zu den Schätzen unserer Kirche zählen die vier Rosettenfenster über den Seitenemporen. In Form und Farbgebung zeigen sie wunderschöne Jugendstilelemente. Leider gibt es kein bekanntes Foto von den ursprünglichen Fenstern unterhalb der Rosetten sowie unterhalb der Emporen.
Die aktuellen Fenster baute man nach dem 2. Weltkrieg ein.


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Mitte der 1960er Jahre noch hatte man die alte Orgel in die Renovierung einbezogen. Erheblich kleiner als das aktuelle Instrument nahm dieses Werk eines regionalen Orgelbaumeisters die Formsprache der Bänke und Emporenbrüstungen auf.

Der Abschluss über den Pfeifentürmen wurde bei der Renovierung neu gestaltet.
Gegen die Vorstellungen der Architekten beschloss das Presbyterium einige Jahre später die Anschaffung einer neuen Orgel.


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Renovierungsfragen waren an diesem Tag im Jahr 1913 noch unvorstellbar weit weg! Die Kirche ist im Rohbau fertig, die Fenster fehlen noch. Festlich geschmückt sind die Glocken (Stahlglocken gegossen vom Bochumer Verein) an der Kirche angekommen.
Bis heute laden sie zu den Gottesdiensten ein und ordnen uns den (Wochen-)Tag.


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Der Umbau der 1960er Jahre setzte einen architektonischen Gegenentwurf zur ursprünglichen Gestaltung der Johannis-Kirche um. Diese ermöglichte es, den Gottesdienst geradezu als Geheimnis zu zelebrieren. Ein versteckter Zugang zur Sakristei, der Weg zur Kanzel über eine Treppe, die hinter einer Tür in der Sakristei verborgen war: der Umbau räumte damit radikal auf: Das große Fenster in der Ostwand des Altarraums brachte im wahrsten Sinne des Wortes Licht in die Dunkelheit.

Die grau übertünchten Ausmalungen unterstrichen den Wunsch nach Nüchternheit und Überschaubarkeit des Raums. Allerdings blieb der Umbau gewollt oder ungewollt unvollendet. Dem neuen Farbkonzept und dem radikal veränderten Altarraum standen die alten Bänke und Emporenbrüstungen sowie bis Ende der 1960er Jahre die ursprüngliche Orgel gegenüber.
Der Stilbruch zeigte etwas von der menschlichen Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne. Das bewusst mit zwei Milchglasscheiben abgedämpfte Abendmahlsfenster über dem Altar galt spätestens in den 1990er Jahren als Sinnbild für eine als nicht stimmig empfundene Umgestaltung der Kirche.


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Im März 2003 wurden erste Farbproben für die Neuausmalung der Johannis-Kirche im Gewölbe aufgebracht.
Unser Bild zeigt (vom linken Rand her) sehr eindrücklich den Kontrast zwischen der grauen Farbgebung der ersten Renovierung und der aktuellen Farbgebung.

Das Farbkonzept der Fa. Römhild, Olpe fand schnell die Zustimmung des Kirchenkreisarchitekten Hans Werner Kemper (+) und des Presbyteriums.
Seit elf Jahren verbindet dieses Farbkonzept alte und jüngere Ausstattungselemente der Johannis-Kirche.


 

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