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Vierter Sonntag nach Ostern – Kleider machen Leute

02.05.2021
Kleider machen Leute, so heißt es in einer Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller aus dem Jahr 1874. Keller beschreibt einen gut gekleideten Schneidergesellen, der durch sein Aussehen in eine Situation gerät, wo er für mehr gehalten wird als er eigentlich ist…

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aus: Gemeindebrief 19-4

Kleider machen Leute

Eine Predigt zur österlichen
Maienzeit von Dirk Gogarn

Gottes Gnade sei mit euch und der Friede unseres Herrn Jesus Christus
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

Kolosser 3,12-17 (Basisbibel)
Gott hat euch als seine Heiligen erwählt, denen er seine Liebe schenkt. Darum legt nun das neue Gewand an. Es besteht aus herzlichem Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld. Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorwirft. Wie der Herr euch vergeben hat, so sollt auch ihr vergeben! Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe. Sie ist das Band, das euch zu vollkommener Einheit zusammenschließt. Und der Friede, den Christus schenkt, lenke eure Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Und dafür sollt ihr dankbar sein! Das Wort, in dem Christus gegenwärtig ist, wohne in reichem Maß bei euch. Lehrt einander und ermahnt euch gegenseitig. Tut das in aller Weisheit. Singt Gott aus vollem Herzen Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder. Denn er hat euch Gnade geschenkt. Alles, was ihr sagt und tut, soll in dem Namen des Herrn Jesus geschehen. Dankt daher Gott, den Vater, durch ihn.

Wir beten:
Guter Gott, wir danken dir dafür,
dass du uns eine Perspektive zur Gestaltung unseres Lebens
durch deinen Sohn Jesus Christus geschenkt hast.
Wir können uns untereinander in einer Gemeinschaft einüben,
wo einer den anderen trägt und manchmal auch erträgt.
Neuanfang ist immer möglich in Freundlichkeit und Geduld.
Diese österliche Erfahrung des Neuanfangs möge mit uns gehen
in diesen Wochen und Tagen.
Der Friede Christi regiere unsere Herzen,
heute, alle Tage und in Zeit und Ewigkeit.
Amen.

Liebe Gemeinde,
Kleider machen Leute, so heißt es in einer Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller aus dem Jahr 1874. Keller beschreibt einen gut gekleideten Schneidergesellen, der durch sein Aussehen in eine Situation gerät, wo er für mehr gehalten wird als er eigentlich ist. Der Schneidergeselle kann nicht entrinnen bis er durch seine alten Kollegen grausam und eiskalt enttarnt wird. Er ist nun einem völlig unbarmherzigen Spott ausgesetzt. Einzig seine Verlobte hält zu ihm, weil sie erkennt, dass seine Liebe zu ihr echt ist und er als Person authentisch ist. Ja, so ist das zuweilen: Das Leben grausam und gemein und mancher Mensch entpuppt sich als Schwein. Kleider machen Leute. In Corona-Zeiten im Bürodienst daheim, da sind viele Leute durchaus legerer gekleidet als sonst. Trainingsanzug statt Krawatte. Und andere sind durchaus auch in der Videokonferenz mit Anzug und Krawatte zu bewundern. Das Bücherregal im Hintergrund ist handverlesen aufgestellt, um den „richtigen Eindruck“ zu hinterlassen. Ich selbst halte es eher mit legerer Kleidung und weniger Selbstdarstellung, weil ich mich dann wohler fühle. Das gilt in dieser Zeit, aber auch dann, wenn mehr öffentlicher Kontakt (hoffentlich bald schon) wieder möglich sein wird. Dennoch lehrt mich unsere Geschichte auch ein Eintreten für mehr Toleranz gegenüber den Anzugs- und Krawattenträgern. Ein jeder/eine jede mag da so seine bzw. ihre Weise entwickeln. Und unterschiedliche Kleidungsstile haben in einer bunten Gesellschaft ihren Platz und ihr Recht.

Genau diese Intention liegt auf der Linie unseres österlichen Bibeltextes aus dem Kolosserbrief. Mit Ostern und Pfingsten ist etwas Neues geworden, weil sich christliche Gemeinde gebildet hat, die vorher nicht da war. Für das Verhalten dieser neuen Gemeinde benutzt der Kolosserbrief das Bild von der neuen Kleidung. Diese neue Kleidung muss nicht aufwendig sein. Sie kann einfach und leger sein. Sie hat aber eine neue und gute Qualität. Gehässigkeiten, wie in der Novelle von Gottfried Keller, kommen da nicht vor. Das Verhalten untereinander zeichnet sich aus durch Freundlichkeit und Zurückhaltung, Rücksichtnahme und Geduld. Die Atmosphäre stimmt einfach. Menschen akzeptieren sich in ihrer jeweiligen Unterschiedlichkeit so wie sie sind. Sie begegnen einander in Achtung und Liebe. Sie haben eine Gemeinschaft in Qualität, in der sie miteinander singen und beten. Kantate und Rogate, „Singet“ und „Betet“ das sind zwei Sonntage in der österlichen Freudenzeit im Monat Mai. So einfach und so gut kann es in der christlichen Gemeinde zugehen. Menschen orientieren sich an Christus, der uns auf Gott unseren Vater verwiesen hat.

Menschen, die sich von Gott angenommen wissen, so wie sie sind, können diese Annahme auch an andere Menschen weitergeben. In Kellers Novelle ist es die Verlobte, die merkt, dass der Schneidergeselle echt ist und es ehrlich meint. Ob nun „barfuß oder Lackschuh“: Er ist der, der er ist. Und er ist der, der sie liebt. Gottes Liebe befähigt uns zur Liebe untereinander. Ziehen wir uns doch dieses neue Kleid an in österlicher Zeit.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.
Amen.

 

1. Wir haben Gottes Sputen festgestellt auf unsern Menschenstraßen. Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen. Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehen, uns durch das Leben tragen.

2. Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet, Sklaven, die durch das Wasser gehen, das die Herren überflutet. Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehen, uns durch das Leben tragen.

3. Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten, wie Stumme sprachen, durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen. Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehen, uns durch das Leben tragen.

EG 648. Text: Diethard Zils 1981 nach einer französischen Vorlage
Melodie: Jo Akepsimas 1973

 

 

 

 

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