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Sonntag nach Ostern – Schön war die Zeit

11.04.2021
So schön, schön war die Zeit, so schön, schön, schön war die Zeit. Das singt Freddy Quinn bereits in den 60ziger Jahren. Schon im Jahr 1956 hatte er mit seinem Lied „Heimweh“ eine ähnliche Linie beschritten. Die Heimatfilmromantik dieser Jahre erschließt sich für mich nur sehr schwer…

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Schön war die Zeit

Eine österliche Predigt
von Dirk Gogarn

Gottes Gnade sei mit euch und der Friede unseres Herrn Jesus Christus
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

 

Einer der österlichen Predigttexte für dieses Jahr steht im Evangelium des Johannes im 21.Kapitel in den Versen 1-14:

Jesus offenbarte sich abermals den Jüngern am See Tiberias (Genezareth). Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere Jünger. Spricht Jesus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot und fingen in dieser Nacht nichts. Als es aber schon morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten´s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Als Simon Petrus hörte: „Es ist der Herr“, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in die See. Die anderen Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa 200 Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie Wussten: Er ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

Gott Vater,
so möge der österliche Glaube
an Jesus Christus, deinen Sohn
und unseren auferstandenen Bruder und Herrn,
mitgehen in unseren Alltag hinein.
Mache du uns empfänglich für seinen Willen
und weise uns mit ihm den Weg in den Alltag der Welt.
Schenke uns und unseren Mitmenschen das,
was wir zum Leben brauchen – an Leib und Seele -.
Amen

 

Liebe Gemeinde,

so schön, schön war die Zeit, so schön, schön, schön war die Zeit. Das singt Freddy Quinn bereits in den 60ziger Jahren. Schon im Jahr 1956 hatte er mit seinem Lied „Heimweh“ eine ähnliche Linie beschritten. Die Heimatfilmromantik dieser Jahre erschließt sich für mich nur sehr schwer. Vorausgegangen waren die schrecklichsten Jahre der deutschen Geschichte überhaupt. Die damalige Erlebensgeneration wurde wohl nicht nur Weltmeister im Fußball; sie war auch Weltmeister der Verdrängung.

Schön war die Zeit. Möglicherweise hätten auch Petrus und die anderen Freunde Jesu dieses Lied singen können, wenn sie an die Zeit mit Jesus zurückdachten. Doch mit dem Gewalttod Jesus hatte alles ein recht jähes und frühes Ende genommen. Schön war die Zeit. Nun waren sie da angekommen, wo sie vorher gewesen waren. Und sie hatte sich wieder einzurichten in den Alltag der Welt. Tun wir, was wir vorher getan hatten, was wir gekannt hatten, wovon wir gelebt hatten. Gehen wir fischen. Schließlich beginnt bald schon der nächste Tag. Und der nächste Tag verlangt sein Überleben. Und so viel hatte sich ja nicht verändert. Der See Genezareth, ihre Heimat im etwas abgelegenen Galiläa, war weiterhin fischreich.  Er bot ausreichend Nahrungsgrundlage für sie und ihre Familien. Fisch, reich an Vitamin D und gesund. Schön war die Zeit. Doch nun haben wir eine Zeit der Ernüchterung. Wir müssen uns dem Alltag wieder stellen. Wer sind eigentlich die „wir“? Oft ist dies eine Frage, der es sich lohnt nachzugehen. Die „wir“ sind zunächst einmal sieben aus zwölf oder genauer gesagt fünf sehr konkrete namentlich genannte Männer aus vielen. Ich mag sie kurz vorstellen wollen: Da ist der Anführer Simon Petrus. Eigentlich Simon. Jesus hatte ihm den Beinamen „der Fels“ gegeben. Er war der Fels, auf den Jesus seine Kirche bauen wollte. Er hat Jesus treu begleitet. Jesus und die Seinen haben ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen. Petrus war ein großer Bekenner, aber auch ein Versager gewesen. Einer der Jesus im entscheidenden Moment allein gelassen hat, einer der mit all diesen Leuten nichts mehr zu tun haben wollte. Ob er mit sich im Reinen war? Wohl kaum. Aber hier weißt er die Richtung, die Richtung zurück in den Alltag. Dann wird Thomas genannt. Er ist ein zweifelnder Mensch, aber einer dem der Auferstandene schon erschienen war. Seine Fragen und seinen Zweifel wird er trotzdem mitnehmen in sein weiteres Leben hinein. Dennoch wird er nicht mehr loslassen von Jesus. Orientierung wird er bei ihm suchen. Von Nathanael hören wir nur selten im Evangelium. Wenn wir von ihm hören, dann heißt es, dass „kein Falsch“ in ihm war. Er hatte sich zu Jesus gehalten. Zwei weitere gibt es: Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus. Jesus weist sie einmal in ihre Schranken, weil sie herrschen statt dienen wollten. Und doch scheint Johannes der Lieblingsjünger Jesu zu sein. Auch in unserer Geschichte öffnen sich ihm zuerst die Augen. Er erkennt, dass Jesus mit in den Alltag gehen kann. Und dass dann alles ganz gut werden kann auch ohne Verklärung der Vergangenheit. Neben diesen fünf so verschiedenen Männern werden zwei weitere ohne Namen und Charakterisierung genannt. Sie stehen für uns alle in unserer Unterschiedlichkeit. Sie stehen für Menschen, die fragen und suchen. Sie stehen für Menschen, die noch etwas erwarten. Rückkehr in den Alltag der Welt.

Die Freund Jesu tun, was sie immer getan hatten. „Lasst uns die Netze auswerfen.“ Sie fischen im heimischen Gewässer, dort wo sie sich auskennen wie niemand sonst. Und die Netze bleiben leer. Schön war die Zeit. Aber nun scheint alles ganz anders geworden zu sein. Was wird? Werden sie und ihre Leute nun hungern müssen? Erfolglos kehren sie in den frühen Morgenstunden heim. Ein Mann steht am Ufer. Was will dieser Landstreicher oder Wegelagerer? Helfen wird er ihnen nicht können (?). Und dann erkennt Johannes der Lieblingsjünger ihn: Das ist Jesus; ganz anders als früher, aber er ist es. Und Jesus schickt sie erneut hinaus, hinaus auf die andere Seite der Fischgründe. Legt eure Netze nochmal aus. Und ihre Netze werden voll. Sie fangen 153 Fische ohne dass die Netze reißen. Und während dieser harten Arbeit bereitet ihnen Jesus das Frühstück. Es gibt Brot. Und er grillt Fische. Schön war die Zeit. So eine Geschichte hatten sie doch schon einmal erlebt als alle auf wunderbare Weise satt wurden. Fünf Brote und drei Fische hatten gereicht um eine große Menge zu ernähren. Und ein Mahl mit Jesus hatten sie doch auch schon gehabt. Ob sie sich da an das feierliche Abendmahl erinnert fühlten, mit dem sie Abschied genommen hatten? Aber diese Zeit damals war ja auch ernst und grausam gewesen. Unter ihnen ein Verräter. Sie waren Bedrohungen und dem Tod ausgesetzt. Ganz so schön war die Zeit auch nicht gewesen. Es gilt schon, die Vergangenheit nicht zu verdrängen oder zu verklären, sondern ehrlich aufzuarbeiten. Petrus, dem Bekenner und Versager wird das auch guttun. Sie werden ins Reine kommen können mit sich und mit Jesus. Sie werden ein Leben lang nach seinem Willen fragen dürfen. Und er will, dass alle Menschen satt werden an Leib und Seele. Die 153 gefangenen Fische stehen für alle Fischarten, die bekannt sind im See Genezareth. 153 ganz verschiedene Arten und die in sich wieder ganz verschieden. Da ist keiner so, wie der andere, so wie wir Menschen uns auch durch Verschiedenheit und Einzigartigkeit auszeichnen. Unser Bruder Jesus zeigt uns, dass wir alle von Gott angenommene und geliebte Geschöpfe sind. Wenn wir das den Menschen im Geiste Jesu weitergeben, dann kann es noch viel schöne Zeit geben in einer Welt, die stets der Verbesserung bedarf. Vertrauen wir seiner Nähe in Zeit und Ewigkeit. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.
Amen.

 

O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit! Die Liebe Gottes uns erfreut;
des Herren Sieg hat uns erlöst, uns neues Leben eingeflößt.
O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit!
EG 560.Text aus dem Barock von Cyriakus Günther um 1714

 

 

 

 

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