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Sonntag vor der Passionszeit – Gute Worte

14.02.2021
Regen, Schnee, winterliches Wetter, Bodenfrost. Das sind alles Dinge, die die Natur notwendig braucht, um sich zu regenerieren. Nach den Dürresommern, die wir erlebt haben, ist das alles umso wichtiger. So bleibt zu hoffen, dass durch Niederschlag und winterliches Wetter in den letzten Monaten einiges wieder ins rechte Lot gekommen ist, was bereits negative Folgen für Mensch und Natur zeitigte… Hier anschauen …ggggg

Gute Worte

Gedanken zu Jesaja 55, 6-13
von Dirk Gogarn

Gottes Gnade sei mit euch und der Friede unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen

Einer der alttestamentlichen Texte für die Zeit nach dem Weihnachtsfestkreis und vor der Passionszeit steht beim Propheten Jesaja im 55.Kapitel in den Versen 6-13. Jesaja schreibt:
Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht dahin wieder zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und in Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen. Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem Herrn soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

Gebet
Guter Gott vergewissere du uns deines Wirkens auch heute.
Auch wenn dein Wirken unsere Vorstellungskraft weit übersteigt
und möglicherweise ganz anders ist als wir es erahnen und wünschen.
Sei du der Gott, der auch uns nahekommt.
Amen.

Liebe Gemeinde,
Regen, Schnee, winterliches Wetter, Bodenfrost. Das sind alles Dinge, die die Natur notwendig braucht, um sich zu regenerieren. Nach den Dürresommern, die wir erlebt haben, ist das alles umso wichtiger. So bleibt zu hoffen, dass durch Niederschlag und winterliches Wetter in den letzten Monaten einiges wieder ins rechte Lot gekommen ist, was bereits negative Folgen für Mensch und Natur zeitigte. Der Prophet Jesaja weiß in alter Zeit von Regen und Schnee, die gut sind für Wachstum und Gedeihen. Er weiß von Feuchtigkeit, die dem Menschen das Brot, d.h. die Lebensgrundlage sichert. Er stellt gar die Natur als etwas lebendiges Ganzes vor, das vor Freude an Gottes guter Schöpfung auflebt. Um Gott zu loben, um seine Allmacht zu preisen benutzt der Prophet diese schönen Bilder von der Lebendigkeit einer Natur, die sich in wundervoller Weise entfalten kann. Manchmal haben wir auch so einen wunderbaren Blick für die Natur, etwa bei einem Sonnenuntergang an der See, beim Sonnenaufgang in einem Alpenpanorama oder in der verschneiten Landschaft unseres heimatlichen Ebbegebirges. Der Maler Emil Nolde hat in jungen Jahren die Schweizer Berge Eiger, Mönch und Jungfrau mit Gesichtern versehen und aus den Bildern Postkarten herstellen lassen. Schön, wenn alles so rund läuft, wenn man Gott geradezu loben und preisen kann angesichts des guten Funktionierens seiner Schöpfung. Wir kennen aber alle auch die andere Seite. Ich erwähnte Dürresommer. Ja und es gibt die Klimaveränderungen, die alles Leben bedrohen. Es gibt Hunger und Not in weiten Teilen der Welt. Vulkanausbruch, Erdbeben und Tsunami sind möglich. Es gibt bedrohtes Leben, weil Menschen Gewalt, Krieg und Terror ausgesetzt sind. Ein kleines Virus hat unser aller Leben gründlich verändert. So recht wissen wir nicht, wie die Dinge ausgehen.

Der so zuversichtlich wirkende Prophet Jesaja kommt in seinem eigenen Erleben von der Urkatastrophe für sein Volk, das alte Israel, her. Im Jahre 586 v. Chr. wurde Israel von den übermächtigen Babyloniern vernichtend geschlagen. Jerusalem wurde belagert und zerstört.  Menschen wurden getötet oder in das babylonische Reich zwischen Euphrat und Tigris verschleppt. Jesaja war dabei. Vorher hatte er unermüdlich gemahnt, sich an Gottes Wort zu halten und Frieden zu schließen. Interessanterweise kommt es nach der Katastrophe zu einer Wendung. Die Menschen, die alles verloren hatten, finden wieder zusammen; sie besinnen sich auf ihre Grundlagen, und sie werden wieder aufmerksam auf Gottes Wort. Die Enkelgeneration darf wieder zurück ins Land. Wiederaufbau wird möglich. Gott hatte mit seinen Leuten noch etwas vor.

Den 1.Weltkrieg hat man die Urkatastrophe des 20.Jahrhunderts genannt. In der Theologie bringt dieses Trauma die Wende zur Wort-Gottes-Theologie. Gott wird als der ganz andere gesehen, der sich unseren Vorstellungen entzieht. Nach dem 2.Weltkrieg wird ein recht schneller Wiederaufbau möglich. Wertegebundene Vorstellungen wurden für das neue Gemeinwesen prägend. Nach den beiden Kriegen gab es auch eine Zeit danach. In meiner Erinnerung als Nachkriegskind war es eine überwiegend gute Zeit. So sind schlimme Zeiten und Krisen immer auch Chancen zur Neubesinnung. Ganz gewiss wird es auch eine Zeit nach Corona geben. Diese Zeit wird eine Zeit der neuen Chancen werden, wobei möglicherweise bewussteres Erleben unseren Alltag bestimmen wird.

Die Wirkung der Worte sollten wir nicht unterschätzen. Gute Worte tun gut. Die Bibel ist voll von guten und hoffnungsfrohen Worten. Eine Entdeckungsreise ist hier immer wieder möglich und spannend zugleich. Den Zeitgenossen des Propheten Jesaja hat diese Neuentdeckung Kraft zum Überleben in schwerer Zeit gegeben. Auch die Reformationszeit am Anfang des 16.Jahrhunderts war in ihrem Kern eine Zeit solcher Wiederentdeckung. Martin Luther hat in Auslegung unserer Bibelstelle geschrieben: „Gottes Wort ist nicht leer zurückgekommen während ich mit meinem Philipp Melanchthon und mit Amsdorf beim Wittenbergisch Bier sitze.“ Überhaupt nimmt Luther sich als Person zurück und räumt damit dem Wort Gottes eigene Wirkkraft ein. So betont er: „Ich habe allein Gottes Wort getrieben, gepredigt und geschrieben, sonst habe ich nichts getan.“ Das Wort Gottes ist bei Luther immer das Wort Christi und damit das Wort vom Kreuz. Er predigt den menschgewordenen Gott, der sich unserer auch in Krankheit und Leid annimmt. Dieser Gott ist der Gott, der die kleinen und großen Katastrophen mit uns aushält. Luther verleiht sein Glaube an diesen Gott die Gelassenheit beim Wittenbergisch Bier zu verbleiben. Diese Gelassenheit ist aber nicht mit Nichtstun zu verwechseln. Alle Reformatoren stellen sich der Verantwortung. Von Luther wissen wir, dass er nicht konfliktscheu war und in seinem großen Konflikt mit Kaiser und Papst Leib und Leben riskiert hat. Sein engster Mitarbeiter Melanchthon war der „Lehrer Deutschlands“. Die Reformation ist auch eine Bildungsbewegung, die die Grundlagen zu unserem heutigen Stand der Wissenschaften gelegt hat. Nikolaus von Amsdorf ist wohl der am wenigsten Bekannte von den drei Männern aus der Bierrunde. Als Bischof von Naumburg hat er später Verantwortung übernommen.

So waren Menschen wie Jesaja und Luther zu ihren Zeiten nicht konfliktscheu. Eine Besinnung auf die Grundlagen war ihnen wichtig. Sie kamen einem Gott nahe, der so anders sein kann als wir ihn uns vorstellen und wünschen; der jedenfalls ein Gott ist, der uns durch Freud und Leid begleiten kann. Und sie vertrauten auf das Wort, auf Gottes Wort für uns Menschen und auf gute Worte, die nicht leer wieder zurückkommen, die Frieden, Verständigung und ein lebenswertes Leben für alle in Freiheit und Qualität ermöglichen.

Gute Worte tun gut!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

1. Ich möcht`, dass einer mit mir geht, der´s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Ich möcht`, dass einer mit mir geht.
2. Ich wart`, dass einer mit mir geht, der auch im Schweren zu mir steht, der in den dunklen Stunden mir verbunden. Ich wart`, dass einer mit mir geht.
3. Es heißt, dass einer mit mir geht, der´s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Es heißt, dass einer mit mir geht.
4. Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist; er will durch Leid und Freuden mich geleiten. Ich möcht`, dass er auch mit mir geht.
Ev. Gesangbuch Nr. 209. Text und Melodie: Hanns Köbler 1964

 

 

 

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